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Beziehung

Du verstehst mich einfach NICHT!

 März 28, 2020

By  Christian Killinger

​​Das Verstehen ist ein Wiederfinden des Ich im Du

​​- Wilhelm Dilthey -

Stell dir vor, du gehst in Wien spazieren. Plötzlich taucht vor dir ein Japaner auf, verneigt sich höflich und fragt: „Shutefan taiseidō wa dokodesu?“. Erwartungsvoll blickt er dich an. Dein hilfloser Blick und dein Achselzucken führt dazu, dass er es nochmals probiert, diesmal etwas lauter: „Shutefan taiseidō wa dokodesu?“. Doch leider verstehst Du seine Sprache nicht, ganz egal, wie laut er spricht. Er deutet, formt mit seinen Händen erwartungsvoll ein Dreieck, spricht ganz deutlich – alles ist vergebens!

Du meinst, dieses Beispiel ist etwas abstrakt?

Genau gleich geht es Franz. Er sitzt in meiner Praxis seiner Frau Susi gegenüber und muss gerade heftig atmen. Seine Frau hat ihm soeben vorgeworfen, dass er überhaupt nichts mehr zur Beziehung beiträgt! Kein lobendes Wort, keine Anerkennung für das was sie beruflich alles erreicht, keine Wertschätzung, dass sie nebenbei auch noch große Teile des Haushalts managt.

Für Franz sieht die Sachlage jedoch anders aus. Er beginnt sich zu verteidigen: “Was ist mit dem Thermenurlaub, den ich dir vor 4 Wochen geschenkt habe??? Und was ist mit dem kleinen Kettchen, das ich Dir letzte Woche mitgebracht habe? Und gestern erst habe ich Dir die deine Lieblingsschokolade mitgebracht!!! Zählt das alles nichts?“

Wer von beiden hat nun recht?

Es wäre so einfach…

Leider ist es nicht ganz so einfach. Genauso so wie unser Japaner sprechen auch Susi und Franz zwei gänzlich unterschiedliche Sprachen. Susi würde sich geliebt fühlen, wenn sie von Franz Aufmunterung, Wertschätzung und lobende Worte hören würde. Die Liebesbeweise von Franz, die vielen Geschenke treffen leider nicht ihr Herz. Und das, obwohl sich Franz wirklich bemüht.

Die fünf Sprachen der Liebe

Gary Chapman beschreibt dies in lesenswerter Weise in seinem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“.

Er schreibt: „Viele Wege führen nach Rom, doch ins Herz des Partners schafft es nur ein ganz bestimmter Weg, so wie ein Schlüssel, der in ein Schloss passt. Ich stimme seiner Meinung, jeder spricht nur eine Sprache, jedoch nur bedingt zu, da mir dies zu stark vereinfacht scheint. Ich denke eher, dass es mehr als einen Weg in das Herz unseres Partners gibt, manche funktionieren weniger gut, manche besser. Was mit Sicherheit stimmt: Wenn Du lernst, die Sprachen Deines Partners zu sprechen und auch zu verstehen, wird sich einiges in deiner Beziehung stark verbessern. Denn letztendlich geht es doch den meisten Menschen darum, dass sie sich „Geliebt-fühlen“, und dies wird leichter, wenn man einander versteht.

​Welche 5 Sprachen gibt es?

1

Lob und Anerkennung

Der erste Weg, der in das Herz des Partners führen kann, ist Lob und Anerkennung. Bitte nicht falsch verstehen, damit ist kein Schulterklopfen und „Gut gemacht“ gemeint. Viel wichtiger ist es, die Welt mit den Augen des Partners zu sehen. Zu loben, für Dinge die in dieser Welt wichtig sind. Ermutigen, Dinge durchzuziehen, bei denen Angst oder Unsicherheit lauert. Anzuerkennen und zu schätzen, was der jeweilige Partner in die Beziehung einbringt.

Ein wichtiger Hinweis dazu – tu dies häufig, aber bitte erwarte keine Gegenleistung!

2

​Zweisamkeit

Ein weiterer Weg führt über die ungeteilte Zweisamkeit. In unserem hektischen Alltag fällt es uns immer schwerer, konzentriert oder fokussiert zu bleiben. Mit ungeteilter Zweisamkeit ist also nicht die gleichzeitige Anwesenheit im selben Raum und möglicherweise ein gemurmeltes „Mhm“ gemeint, während Messi gerade seinen Hattrick erzielt oder Heidi und Wolle über das „Laufen“ philosophieren.

Vielmehr ist es wichtig, Augenkontakt herzustellen, Verbundenheit zu erzeugen, liebevoll und aktiv zuhören. Ängsten, Wünschen und Träumen Aufmerksamkeit zu schenken, Gedanken, Gefühlen und Sehnsüchten zu lauschen. Einfach präsent sein! All dies hilft, um eine tiefe Verbindung herzustellen und einander emotional nahe zu kommen.

3

​Geschenke

​Der dritte Herzensweg sind Geschenke und Aufmerksamkeiten. Bevor jetzt ein lauter Aufschrei kommt - es geht hier nicht um den Versuch, sich Liebe zu erkaufen. Das heißt, der materielle Wert des Geschenks ist zweitrangig. Vielmehr geht es um den Akt der Vorbereitung. Um für jemanden ein „passendes“ Geschenk zu finden, benötigt es Zeit und Muße sich mit dieser Person und deren Wünschen auseinander zu setzen. Was bereitet Freude, was könnte ein glückliches Lächeln hervorrufen. Möglicherweise ist es auch einfach nur Zeit, in einer schwierigen Phase einfach da zu sein. Das Geschenk an sich ist also „nur“ ein sichtbares Zeichen der Liebe und ein Symbol dafür, dass man liebevoll an seinen Partner gedacht hat!

​4

Hilfsbereitschaft

​Der vierte Weg ins Herz unserer Partner führt über die aufmerksame Art, Dinge für sein Gegenüber zu erledigen. Den Wagen in die Werkstatt bringen, Hemden bügeln, den Garten machen oder zum Sprechtag in die Schule gehen. Obwohl dies für manche Personen Selbstverständlichkeiten sind, geht es hier mehr darum, dem anderen in Form von „Hilfsbereitschaft“ seine Liebe und Aufmerksamkeit zu zeigen. Dem anderen damit eine Freude zu machen und auch zu erkennen, welche Dinge Erleichterung verschaffen würden. Ja, die Meisterklasse ist es, diese Dinge zu erkennen, ohne dazu aufgefordert zu werden.

​5

​Zärtlichkeit

​Der letzte Weg, das Herz unseres Gegenübers zu berühren, sind Zärtlichkeiten. Dieser Weg ist beispielsweise für mich persönlich jener, den ich sofort in seiner Wirksamkeit bestätigen kann – meine persönliche Sprache der Liebe ist somit gefunden;-)! Eine Umarmung, kurze Berührungen im Vorbeigehen oder auch Sex. Manche Menschen haben es durchaus gern, in der Öffentlichkeit Verbindung zu zeigen, das sind beispielsweise die UBahn-Rolltreppenschmuser. Andere wiederum mögen dies vor allem still und in trauter Zweisamkeit. Menschen, die diese Sprache sprechen, brauchen Zärtlichkeit wie einen Tropfen Wasser. Für sie ist das eine Bestätigung, sich der Liebe ihres Gegenübers sicher zu fühlen. Eine Berührung ist für sie eine Botschaft der Liebe und über diesen Weg wird Verbindung und Nähe aufgebaut.

Und jetzt?

Du siehst also, es lohnt sich, die Sprache unseres Gegenübers zu lernen Die Gefahr ist sonst groß, dass unsere Bemühungen unsere Liebe zu zeigen ins Leere laufen. Ganz anders hingegen, wenn wir den richtigen Schlüssel für das Schloss gefunden haben. Du wirst sehen, wie Dein gegenüber aufblüht - bei Kleinigkeiten die für uns nicht mal spruchreif waren. Und mit Sicherheit merkt man auch oft, dass man früher das eine oder andere Mal immer lauter werdend mit dem Partner auf Japanisch gesprochen hat.

Probieren geht über Studieren – legt einfach los!


Viel Spaß dabei


​Christian

Bildquellen

  • Frau schreit: www.fotolia.de / © vlorzor

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